SMS und E-Mail sind zwei verschiedene Kanäle mit zwei verschiedenen Kostenmodellen, zwei getrennten Einwilligungen und zwei sehr unterschiedlichen Toleranzschwellen bei den Empfängern. Wer beides aus einem Tool heraus steuert, spart Verwaltungsaufwand – aber nur, wenn vorher klar ist, welche Nachricht in welchen Kanal gehört. Diese Seite klärt drei Dinge: wofür SMS sich lohnt, welche rechtlichen Anforderungen dazukommen und wie der Kanal in den Tools technisch abgerechnet wird.
Wofür SMS sich lohnt – und wofür nicht
Die entscheidende Frage ist nicht, ob SMS höhere Öffnungsraten hat, sondern ob eine Nachricht die Unterbrechung wert ist. Eine E-Mail wartet im Postfach, eine SMS meldet sich sofort. Der Kanal trägt deshalb genau die Nachrichten, die zeitgebunden sind und eine konkrete Handlung auslösen – alles andere kostet Abmeldungen.
Terminerinnerung
24 Stunden vor dem Termin, mit Datum, Uhrzeit und Absage-Möglichkeit. Der klassische Fall, in dem eine SMS bares Geld spart: Jeder nicht wahrgenommene Termin ist ein Ausfall, der sich nicht nachholen lässt.
Lieferstatus
„Deine Sendung kommt heute zwischen 14 und 16 Uhr“ – eine Information mit Verfallsdatum. Genau dafür ist der Kanal gemacht, und genau hier wird er von Empfängern auch akzeptiert.
Wirklich knappe Fristen
Letzte Stunden einer Anmeldefrist, ein kurzfristig frei gewordener Platz, Restkarten. Wichtig ist die Seltenheit: höchstens ein paar Mal im Jahr, sonst nutzt sich die Dringlichkeit ab.
Sicherheitsrelevante Meldungen
Bestätigungscodes und Konto-Warnungen. Rechtlich sind das keine Werbung, sondern Systemnachrichten – sie gehören aber trotzdem sauber vom Marketing-Versand getrennt.
Sinnlos wird SMS in dem Moment, in dem sie zum zweiten Newsletter wird: der wöchentliche Themenüberblick, der ausführliche Produkttext, der dritte Rabatt in vierzehn Tagen. Solche Inhalte haben in der E-Mail mehr Platz, kosten dort nichts extra und erzeugen keine Abmeldewelle. Die Faustregel aus der Praxis lautet: Wenn die Nachricht auch morgen noch stimmt, gehört sie in den Newsletter.
Die SMS-Einwilligung ist eine eigene Einwilligung
Das ist der Punkt, an dem die meisten Multichannel-Setups schieflaufen. Werbung per SMS fällt unter dieselbe Vorschrift wie Werbung per E-Mail: Sie ist nach § 7 Abs. 2 Nr. 2 UWG nur mit vorheriger ausdrücklicher Einwilligung des Adressaten zulässig. Wer die E-Mail-Adresse mit Double-Opt-in eingesammelt hat, darf daraus keine SMS-Erlaubnis ableiten – auch dann nicht, wenn die Telefonnummer im selben Formular abgefragt wurde.
Praktisch bedeutet das drei Dinge:
- Getrennte Checkbox, klarer Zweck. Im Anmeldeformular braucht der SMS-Kanal ein eigenes, nicht vorangekreuztes Feld mit einem Satz dazu, wofür die Nummer genutzt wird. Eine Sammel-Einwilligung für „Informationen per E-Mail, SMS und Telefon“ ist angreifbar, weil der Empfänger nicht erkennen kann, worauf er sich einlässt.
- Nachweis auch für die Nummer. Die Beweislast für die Einwilligung liegt beim Versender. Das Protokoll muss deshalb Zeitstempel, verwendeten Formulartext und Kanal festhalten – nicht nur die Bestätigung der E-Mail-Adresse. Wie ein belastbares Anmeldeprotokoll aussieht, steht in der Anleitung zum Double-Opt-in.
- Abmeldung muss im Kanal selbst funktionieren. Ein Link auf eine Abmeldeseite reicht in der SMS in der Praxis nicht; üblich und erwartbar ist ein Stichwort wie STOP an die Absendernummer. Das setzt voraus, dass die Absenderkennung antwortfähig ist – bei rein alphanumerischen Absendern („MEINSHOP“) ist sie das nicht. Was ein Abmeldeweg leisten muss, steht unter Abmeldelink richtig einbauen.
Die Bestandskunden-Ausnahme aus § 7 Abs. 3 UWG hilft hier nur begrenzt weiter. Sie greift ausschließlich, wenn die Adresse im Zusammenhang mit einem tatsächlichen Verkauf erhoben wurde, wenn nur für eigene ähnliche Waren geworben wird, wenn der Kunde nicht widersprochen hat und wenn bei jeder Verwendung auf den Widerspruch hingewiesen wird. Alle vier Bedingungen müssen zusammen erfüllt sein – und die vierte ist in 160 Zeichen unbequem unterzubringen. Der praktikablere Weg bleibt die aktive Einwilligung; die rechtlichen Bausteine dazu stehen in der DSGVO-Anleitung für Newsletter.
Wie SMS technisch in die Tools kommt
Der Versandweg ist bei allen Anbietern derselbe: Das Newsletter-Tool ist nicht selbst Mobilfunkanbieter, sondern gibt die Nachricht an einen SMS-Gateway weiter, der sie in die Netze einspeist. Für die Praxis ergeben sich daraus drei Konsequenzen, die man vor dem ersten Versand kennen sollte.
Absenderkennung. Es gibt zwei Varianten: eine Rufnummer (antwortfähig, notwendig für STOP-Abmeldungen) oder eine alphanumerische Kennung mit dem Markennamen (wiedererkennbar, aber eine Einbahnstraße). Wer Termin-Antworten oder Abmeldungen per Antwort-SMS verarbeiten will, braucht die Rufnummer – und muss das vor der Tarifwahl klären, weil nicht jeder Anbieter beides anbietet.
Zeichenlänge. Eine SMS fasst 160 Zeichen im Standard-Zeichensatz. Sobald ein Zeichen außerhalb dieses Satzes vorkommt – typischerweise ein Emoji –, kippt die gesamte Nachricht in die Unicode-Kodierung und fasst nur noch 70 Zeichen. Längere Texte werden in mehrere Teile zerlegt und je Teil berechnet. Ein einziges Emoji kann eine Kampagne damit rechnerisch mehr als verdoppeln.
Links und Messung. Eine vollständige URL frisst den halben Platz, deshalb arbeiten die Tools mit Kurzlinks. Diese Kurzlinks sind zugleich die einzige belastbare Erfolgsmessung im Kanal: Öffnungsraten gibt es bei SMS nicht, nur Zustellquittungen und Klicks. Wer SMS und E-Mail vergleichen will, muss beide deshalb auf die Klickrate herunterrechnen – die oft zitierten Öffnungsvorteile lassen sich technisch gar nicht gegenrechnen.
Angebunden wird der Kanal je nach Tool auf drei Wegen: als eigener Kanal direkt im Tool (kein Zusatzvertrag, Guthaben läuft über dasselbe Konto), als kostenpflichtiges Zusatzmodul oder über einen externen SMS-Dienst, der per API oder Automatisierungsdienst angebunden wird. Der dritte Weg ist der flexibelste und zugleich der, bei dem Einwilligung und Abmeldung in zwei Systemen gepflegt werden müssen – eine dauerhafte Fehlerquelle, weil ein STOP im SMS-System nicht automatisch im Newsletter-Tool ankommt.
Diese Tools führen SMS als eigenen Kanal
| Tool | Preis E-Mail | Preis SMS | Serverstandort |
|---|---|---|---|
| Brevo | ab 7 € | ab 5 €/100 SMS | Frankreich + Deutschland |
| Omnisend | ab ca. 16 USD | ab 0,10 €/SMS | EU (Litauen) + UK |
| Klaviyo | ab 42 € | ab 0,03 €/SMS (US) | USA |
| KlickTipp | ab 30 € | ab 0,12 €/SMS | Deutschland |
| GetResponse | ab 16 € | via Add-On | EU (Polen) |
Wichtiger als die Reihenfolge sind die Details, die in einer solchen Tabelle nicht sichtbar werden – und die aus unserem Tool-Datensatz stammen:
- Brevo (Anzeige) (Starter 7 €/Monat, Standard 15 €, Server Frankreich und Deutschland, Note 4,3/5) führt E-Mail, SMS, WhatsApp und Chat in einem Konto. Der Free-Plan mit unbegrenzten Kontakten und 300 E-Mails pro Tag ist der einzige seiner Art im Vergleich – SMS werden davon getrennt per Guthaben abgerechnet. Für Multichannel im EU-Rahmen ist das der naheliegendste Einstieg.
- Omnisend (Anzeige) (Standard 16 USD/Monat, Pro 59 USD, Litauen/UK, Note 4,4/5) bringt SMS und Push zusammen mit den E-Commerce-Automationen. Der Free-Plan enthält neben 250 Kontakten und 500 E-Mails ausdrücklich 60 SMS – genug, um den Kanal einmal ohne Vertrag durchzuspielen. Abgerechnet wird in US-Dollar.
- KlickTipp (Anzeige) (Standard 30 €, Premium 50 €, Deluxe 70 €, Server Deutschland, Note 4,3/5) ist im Test der Anbieter mit der höchsten gemessenen Zustellbarkeit (99,78 %). Der für SMS entscheidende Punkt steht allerdings in der Tarifübersicht: SMS-Marketing gehört erst zum Deluxe-Tarif ab 70 €/Monat. Wer Standard oder Premium bucht, hat den Kanal nicht.
- GetResponse (Anzeige) (Starter 16 €, Marketer 54 €, Creator 62 €, Polen, Note 4,4/5) deckt Newsletter, Webinare und Funnels ab. SMS führt der Anbieter nicht in den Tarif-Highlights seiner Preisseite – wer den Kanal fest einplant, sollte ihn vor Vertragsschluss im Konto prüfen, statt sich auf Vergleichstabellen zu verlassen.
Bei CleverReach, rapidmail, Mailerlite und ActiveCampaign ist in unserem Datensatz kein SMS-Kanal hinterlegt. Das heißt nicht, dass sich SMS mit ihnen gar nicht realisieren ließe – es heißt, dass sie ihn nicht als Tarifbestandteil ausweisen und ein externer Dienst dazugehört. Für diesen Fall gilt die Warnung von oben: zwei Systeme, zwei Einwilligungsstände, doppelte Sorgfalt.
SMS ist ein eigener Kostenblock – und der größere
Bei E-Mail zahlt man für Kontakte oder ein Versandkontingent, die einzelne Nachricht ist faktisch kostenlos. Bei SMS ist es umgekehrt: Der Kanal kostet pro Nachricht, zusätzlich zu dem, was der E-Mail-Tarif kostet. Ein Rechenbeispiel macht den Unterschied greifbar. Bei 2.000 Empfängern und einem Preis von 0,10 € je SMS kostet ein einziger Versand 200 € – mehr als zwei Jahre im günstigsten Brevo-Tarif. Dieselbe Nachricht per E-Mail kostet in einem Tarif mit E-Mail-Flatrate null zusätzliche Euro.
Daraus folgt die Kalkulationsregel für den Kanal: SMS rechnet sich nur, wenn der erwartete Deckungsbeitrag je Empfänger deutlich über den Versandkosten liegt. Bei einer Terminerinnerung im Dienstleistungsgeschäft ist das trivial erfüllt – ein verhinderter Ausfall bezahlt hunderte SMS. Bei einer Rabattaktion mit 3 € Marge pro Bestellung braucht es dagegen bereits eine Conversion-Rate von deutlich über 3 %, nur um die Versandkosten wieder einzuspielen. Wer die E-Mail-Seite der Rechnung gegenprüfen will, findet die Tarifstufen aller acht Tools im Preisrechner.
Drei weitere Kostenfallen tauchen erst in der Abrechnung auf: Länderpreise (eine SMS nach Österreich oder in die Schweiz kostet in der Regel mehr als eine innerdeutsche), mehrteilige Nachrichten (jeder angefangene Teil zählt einzeln) und befristete Guthaben (manche Anbieter lassen gekaufte Credits verfallen). Vor der Buchung eines SMS-Pakets lohnt deshalb ein Blick in die Guthaben-Bedingungen des jeweiligen Anbieters.
Wie sich SMS in mehrstufige Workflows einbaut – etwa als zweite Stufe nach einer unbeantworteten E-Mail –, zeigt der Automation-Vergleich. Welche Tools den deutschsprachigen Markt sonst noch bedienen, steht im großen Newsletter-Tool-Vergleich.
Häufige Fragen
Das hängt vom Anwendungsfall ab. Für Multichannel aus einem EU-Konto (E-Mail, SMS, WhatsApp, Chat) ist Brevo ab 7 €/Monat der unkomplizierteste Einstieg. Für Online-Shops ist Omnisend ab 16 USD/Monat passender, weil SMS dort direkt in den E-Commerce-Automationen sitzt und der Free-Plan 60 SMS enthält. Wer deutsche Server braucht, nimmt KlickTipp – muss SMS dort aber über den Deluxe-Tarif ab 70 €/Monat buchen.
Zwischen 0,03 € (Klaviyo USA) und 0,12 €/SMS (KlickTipp). Im Schnitt 0,07-0,10 € pro deutscher SMS. Hinzu kommt meist eine monatliche Grundgebühr für SMS-Funktionalität. Wichtig: SMS wird pro Nachricht abgerechnet, nicht pauschal – bei 2.000 Empfängern und 0,10 € kostet ein einziger Versand 200 €.
Nein. Werbung per SMS braucht nach § 7 Abs. 2 Nr. 2 UWG eine eigene vorherige ausdrückliche Einwilligung. Eine Einwilligung für den E-Mail-Newsletter deckt den SMS-Versand nicht ab, auch wenn die Telefonnummer im selben Formular abgefragt wurde. Ins Anmeldeformular gehört deshalb ein eigenes, nicht vorangekreuztes Feld mit klarer Zweckangabe.
Eine SMS fasst 160 Zeichen im Standard-Zeichensatz. Sobald ein Zeichen außerhalb dieses Satzes vorkommt – ein Emoji zum Beispiel –, wird die gesamte Nachricht in Unicode kodiert und fasst nur noch 70 Zeichen. Längere Texte werden zerlegt und je Teil berechnet. Ein einziges Emoji kann die Kosten einer Kampagne damit mehr als verdoppeln.
Üblich und erwartbar ist ein Stichwort wie STOP an die Absendernummer. Das funktioniert nur, wenn als Absender eine echte Rufnummer eingestellt ist – eine alphanumerische Kennung mit dem Markennamen ist nicht antwortfähig. Alternativ oder ergänzend gehört ein Kurzlink zur Abmeldeseite in die Nachricht.
Für alles, was auch morgen noch stimmt: den wöchentlichen Themenüberblick, ausführliche Produkttexte, häufige Rabattaktionen. Solche Inhalte haben in der E-Mail mehr Platz, kosten dort nichts extra und erzeugen keine Abmeldewelle. SMS trägt zeitgebundene Nachrichten mit konkreter Handlung: Terminerinnerung, Lieferstatus, wirklich knappe Fristen.